13.02.2019



Wie Arbeitgeber ein Gefühl der Zugehörigkeit schaffen



 

Das berufliche Netzwerk LinkedIn hat untersucht, wie Arbeitgeber bei ihren Mitarbeitern dafür sorgen können, dass eine echte Bindung zum Unternehmen entsteht. Danach kommt es vor allem auf faires Verhalten und eine offene, ehrliche Kommunikation an.

 

Qualifizierte Mitarbeiter zu halten hat für viele Unternehmen oberste Priorität. Immerhin findet rund jeder fünfte Arbeitnehmer in Deutschland, dass er „kulturell“ perfekt zu seinem Arbeitgeber passt. Darüber hinaus betrachtet ein Viertel (26 Prozent) sich und den Arbeitgeber als „ein tolles Team“. Allerdings ist es 86 Prozent der Berufstätigen hierzulande auch wichtig, dass sich ihr Unternehmen darum bemüht, ein Gefühl der Zugehörigkeit herzustellen. Dazu, wie das am besten funktionieren kann, befragte YouGov im Auftrag von > LinkedIn Ende Mai dieses Jahres 2040 Menschen ab 18 Jahren, davon 1010 Erwerbstätige. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

 

Gleichbehandlung und Fairness binden Mitarbeiter am stärksten

 

Der wichtigste Faktor, mit dem Arbeitgeber ein Gefühl der Zugehörigkeit erzeugen können, ist laut Studie die gleiche und faire Behandlung aller Mitarbeiter. Fast sechs von zehn Befragten (58 Prozent) wählten diesen Aspekt auf den ersten Platz. Dabei geht es zum Beispiel um Geschlechtergerechtigkeit bei der Entlohnung und um Fairness bei befristeten Arbeitsverhältnissen. Eine nähere Betrachtung des Fairness-Faktors ergab, dass Frauen den Aspekt „gleiches Gehalt für Männer und Frauen in vergleichbaren Positionen“ mit 46 Prozent deutlich häufiger auf den ersten Platz wählten als Männer (28 Prozent). Beim Thema faire Verträge, explizit bezüglich des Verzichts auf sachgrundlose Befristungen, gab es geschlechtsübergreifende Einigkeit: Für 15 Prozent aller Befragten steht dieses Kriterium an erster Stelle und für 29 Prozent auf Platz zwei oder drei. Faire Gehälter des Top-Managements im Vergleich zur Vergütung normaler Mitarbeiter gaben lediglich acht Prozent als wichtigsten Fairness-Faktor an.

 

Offene Kommunikation und Mitarbeiterbeteiligung auf Platz zwei und drei

 

Der zweitwichtigste Aspekt, der die Bindung aus Mitarbeitersicht fördert, ist eine allzeit offene und ehrliche Kommunikation, die für 16 Prozent auf Platz eins steht. Elf Prozent entschieden sich für eine hervorragende Mitarbeiterbeteiligung.

 

Diversity ist vor allem für Berufsanfänger und Akademiker wichtig

 

Das Bemühen, Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund zu integrieren, steht zwar nur für vier Prozent der Befragten auf Rang eins in Sachen Zugehörigkeitsgefühl, doch insgesamt gelangte der Aspekt Diversity bei fast einem Viertel (24 Prozent) auf einen der drei ersten Plätze. Bei den Berufsanfängern mit bis zu zwei Jahren Joberfahrung steht das Thema besonders hoch im Kurs, hier liegt der Anteil bei 41 Prozent. Und auch von den Studienteilnehmern mit Hochschulabschluss gaben mit 28 Prozent etwas mehr als der Durchschnitt an, dass Diversity für sie die Bindung an den Arbeitgeber fördert.

 

Haltung und CSR – nicht zu unterschätzende Faktoren

 

Für jeweils zwei Prozent stehen die Haltung des Unternehmens zu gesellschaftlichen Themen und Investitionen in Programme zur Corporate Social Responsibility (CSR) auf dem ersten Platz. Rechnet man die Plätze zwei und drei hinzu, bezeichneten 18 Prozent den Faktor Haltung als wichtig für die Loyalität dem Unternehmen gegenüber. Wenn Unternehmen eine Haltung zu gesellschaftlichen Themen einnehmen – das Top-Thema ist Chancengleichheit für Menschen aus allen sozialen Schichten –, sagen 23 Prozent der Befragten mit einem sehr starken politischen Interesse, dass dies bei ihnen Bindung erzeuge.

 

Verlockung zur Untreue bei sehr viel mehr Gehalt

 

Ein weiteres Studienergebnis: Gelingt es Arbeitgebern, bei der Belegschaft ein Gefühl der Zugehörigkeit herzustellen, würde es knapp jeder fünfte Mitarbeiter (18 Prozent) nicht in Betracht ziehen, zu einem anderen Unternehmen zu wechseln, das kulturell schlechter passt. Allerdings käme dies für fast die Hälfte (48 Prozent) in Frage, sofern der neue Arbeitgeber mindestens ein Drittel mehr Gehalt zahlen würde, und zwölf Prozent könnten sich vorstellen, untreu zu werden, wenn der neue Job mindestens zwei Drittel mehr Geld einbrächte – was wohl kaum ein realistisches Szenario wäre.

 

Quelle: www.personalwirtschaft.de