19.12.2017



Anschreiben - bald eine ausgestorbene Spezies?



 

Wird das Anschreiben bei Bewerbungen künftig obsolet? Laut einer aktuellen Umfrage unter Personalmanagern in Deutschland kann mittlerweile mehr als jedes zweite Unternehmen darauf verzichten. Ihrer Meinung nach fehlt es den Anschreiben vor allem an Mehrwert.

 

Derzeit berücksichtigen fast sechs von zehn Personalentscheidern (59 Prozent) auch Bewerbungen, die kein Anschreiben enthalten. Offenbar geben die Recruiter nicht viel auf die inhaltliche Qualität. Von jenen, die Anschreiben für unwichtig halten, bemängelt fast die Hälfte (48 Prozent), dass Anschreiben nicht besonders aussagekräftig seien. 39 Prozent empfinden Anschreiben als sehr subjektiv. Rund ein Drittel der Personaler (32 Prozent) ist der Ansicht, dieser Bewerbungsbestandteil würde keinerlei Zusatzinformationen gegenüber dem Lebenslauf bieten. Und circa jeder Vierte (23 Prozent) zweifelt den Inhalt an und meint, die Informationen in Anschreiben seien nicht verlässlich. Das geht aus der diesjährigen Arbeitsmarktstudie im Auftrag von Robert Half hervor. Für die Studie wurden in Deutschland 500 Personalmanager befragt.

 

Jeder siebte Personaler hat keine Zeit zum Lesen

 

Darüber hinaus gibt es aber noch weitere Gründe, warum mittlerweile fast jeder zweite Personalentscheider denkt, auf Anschreiben verzichten zu können: Mehr als jeder Siebte (15 Prozent) gibt schlicht an, für das Lesen keine Zeit zu habe, was als Argument eher bedenklich klingt. Darüber hinaus nutzen zwölf Prozent der Befragten automatisierte Systeme, die kein Anschreiben voraussetzen. Fünf Prozent arbeiten mit Personaldienstleistern zusammen und können diesen Aspekt deshalb vernachlässigen und weitere vier Prozent halten die Social-Media-Profile der Bewerber für ausreichend.

 

Bietet ein Anschreiben beispielsweise keine relevanten Zusatzinformationen gegenüber dem Lebenslauf, fehlt der Mehrwert für Personaler. Wenn Bewerber ihre Chancen durch ein Anschreiben erhöhen wollten, müssen sie hier nachbessern. Das dürfte allerdings ein sinnloses Bemühen gegenüber den Recruitern darstellen, die dem Anschreiben aus Zeitgründen gar keinen Blick schenken.

Manche Personaler können Anschreiben doch etwas entnehmen

 

Die 41 Prozent der Personalentscheider, die Anschreiben heute noch befürworten und für wichtig halten, geben dafür verschiedene Gründe an: Die Hälfte (49 Prozent) meint, daran dann doch die Qualität eines Bewerbers einschätzen zu können. 41 Prozent finden, dass Anschreiben ein umfassenderes Bild der potenziellen Kandidaten vermitteln und jeder dritte Recruiter kann dem Dokument vertiefende Details zur Berufserfahrung der Jobsuchenden entnehmen.

 

Von:

Ute Wolter

 

Quelle: www.personalwirtschaft.de